16 Juni 2014

Unser größter Feind: Nicht Portugal, sondern Überheblichkeit und Arroganz


Das Adrenalin steigt: In rund fünf Stunden geht die WM so richtig los. Unsere Elf spielt in der Arena Fonte Nova von Salvador de Bahia gegen Portugal (LIVE, ARD ab 16.10 Uhr, Anstoß: 18:00 Uhr). Und was wird das Ergebnis sein? Vom Papier her ist Deutschland Favorit (Foto: dpa). Aber was das Wert ist, haben uns Holland und Costa Rica am Wochenende gezeigt. Gegen Ronaldo und die anderen Top-Stars aus Portugal (Coentrao/Madrid, Pepe/Madrid, Nani/ManU ...) darf sich unsere Elf nicht eine einzige Sekunde Arroganz oder Überheblichkeit leisten. Man kann zwar vieles trainieren, aber an der hundertprozentigen Fokussierung auf ein wichtiges Spiel sind schon so einige Favoriten gescheitert.

Noch ist nicht klar, wie genau die deutsche Aufstellung aussehen wird. Sehr wahrscheinlich ist es, dass Lahm im defensiven Mittelfeld aufläuft. Das bedeutet einen Platz auf der Bank für Schweini. Aber der ist wohl eh noch nicht komplett fit. Oldie Klose wird ihm dort zunächst Gesellschaft leisten. Schade, unser Dauerrenner soll doch noch den ewigen WM-Tore-Rekord von Ronaldo (der aus Brasilien) sprengen. Özil genießt das Vertrauen von Löw. Trotz zuletzt mauer Leistungen darf er zusammen mit Poldi und Müller von Anfang an ran. Tolle Offensiv-Power! Eine Schlüsselaufgabe kommt Boateng zu. Er muss CR7 stoppen. Bitte, bitte heute phlegmafrei!

Jogi Löw stell nach außen ein unbändiges Selbstbewusstsein zur Schau. Das ist gut so und wirkt stark auf Mannschaft und Umfeld. Trotzdem weiß Löw natürlich nicht, wo seine Elf wirklich steht. Zu viele Unbekannte stehen in der Rechnung. Wie kommen wir mit der tropischen Mittagshitze klar? Hat unser Zauberer Özil sein Tief überwunden? Wie stark sind wir ohne einen Wunderknaben wie Marco Reus? Sind die Verletzten Neuer, Khedira oder Lahm wirklich bei 100 Prozent Wettkampfstärke? Ich habe zwar großes Vertrauen in den Bundestrainer, trotzdem bin ich einigermaßen unsicher und nervös. Wird wirklich Zeit, dass es losgeht!

Drei Punkte für Jogis Jungs und Ihnen einen tollen Fußballabend wünscht

Carl-Eduard Meyer

13 Juni 2014

Neymar, Superstar! So lief Brasilien gegen Kroatien auf Facebook


Brasilien hat das Eröffnungsspiel gestern einigermaßen glücklich 3:1 gegen Kroatien gewonnen. (Bild: dpa) Was der Top-Favorit geboten hat, war leider noch nicht die ganz große Fußball-Gala. Trotzdem hat das Ereignis weltweit extrem hohe Wellen geschlagen - natürlich auch auf Facebook.

Wir haben soeben topaktuelle Daten von Facebook erhalten, die zeigen, wie das Social Network während der Eröffnungsspiels genutzt wurde. Fazit: Weltweit mehr als 58 Mio Menschen waren auf Facebook aktiv, um das Spiel mit Freunden zu teilen, und generierten dabei 140 Millionen Interaktionen. Wow!

Top 5 Social Moments

1. Neymar schießt das 1:1
2. Neymar verwandelt Elfer zum 2:1
3. Schlusspfiff
4. Oscar macht das 3:1 in Nachspielzeit
5. Eigentor von Marcelo zum 0:1


Top 5 Spieler
1. Neymar
2. Oscar
3. Thiago Silva
4. Hulk
5. Marcelo

Top 5 Länder
1. Brasilien
2. USA
3. England
4. Indonesien
5. Frankreich

Quelle: Facebook, Datenbasis: Volltext
Die WM auf Facebook: Facebook.com/worldcup


Was zeigen uns diese Zahlen? Superstar Neymar dominierte das Spiel nicht nur auf dem Rasen sondern auch im Web. Immer wenn er am Ball war kreischte das Gastgeberland auf. Deutlich hörbar im Stadion und parallel bestens sichtbar auch auf Facebook.

Etwas traurig: Obwohl Deutschland deutlich mehr Einwohner hat als Frankreich und Großbritannien, reichte es für uns nicht zu einem Platz unter den Top 5. Mal sehen, wie's Montag beim Spiel gegen Portugal aussehen wird. Vielleicht werden wir am Ende ja doch noch Facebook-Weltmeister!

Ein schönes WM-Wochenende und viel Spaß auf Facebook wünscht

Carl-Eduard Meyer 

12 Juni 2014

Verkrampftes Brasilien? Wie geht der Gastgeber mit den gigantischen Erwartungen um?


Puh, endlich ist Schluss mit dem ganzen Zirkus der Vorberichterstattung. Heute Abend startet die WM! Also los: Deutschlandtrikot aus dem Schrank geholt, Wohnzimmer geflaggt und Fernseher an. Wir sind bereit! Ab heute Abend gilt endlich "auf'm Platz". Heute blickt die Fußball-Welt auf die Performance von Gastgeber Brasilien. Die Erwartungen sind gigantisch. Das Team von Felipe Scolari muss das Trauma von 1950 besiegen. (Brasilien verlor das Endspiel im eigenen Lang gegen Uruguay.) Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Selecao durch den immensen Druck verkrampft und am Ende ein anderes Team den golden Pokal in die Höhe stemmt. Die Kroaten heute Abend werden ein erster Gradmesser sein. Allerdings ist Top-Stürmer Mandzukic gesperrt. (Heute LIVE im ZDF ab 19.50 Uhr Eröffnungsfeier; Anstoß Brasilien : Kroatien 22.00 Uhr)

Und was kann unsere deutsche Mannschaft bewirken? Ich weiss es nicht. Viele Fragezeichen markierten den bisherigen Weg der DFB-Elf nach Brasilien. Die Quali lief zwar überragend, aber dann begannen die Probleme: Ein für deutsche Verhältnisse chaotisches Trainingslager, Unsicherheit über den Fitness- und Gesundheitszustand zahlreicher Führungskräfte sowie das schockierende WM-Aus für Topstar Marco Reus. Aber im Prinzip ist das alles normal. Ob wir eine potenzielle Weltmeister-Truppe am Start haben, weiss man nämlich sowieso erst nach der Vorrunde. Erstmal müssen Portugal und Weltfußballer CR7 besiegt werden. Gelingt es, Ausnahme-Kicker Christiano Ronaldo an die Kette zu legen, ist uns der Sieg zu 80 Prozent sicher. Die portugiesische Ansammlung von Durchschnittskickern ist viel zu abhängig von ihrem Superstar. Jungs, das packt Ihr!

Aber auch die anderen großen Fußballnationen stehen vor einem Wald von Fragezeichen. Gut, dass es denen genauso geht wie uns. Ist Spanien noch Topfavorit oder eher eine Altherrentruppe, die ihre beste Zeit hinter sich hat? Was macht Frankreich ohne Ribery? Wie stark sind die Italiener um Pirlo und Balotelli? Kann Messi endlich mal bei einem großen Turnier überzeugen? Haben die Engländer ausreichend fürs Elfmeterschießen geübt? Was sind die Vorschusslorbeeren für die so genannten Geheimfavoriten wie Belgien oder Uruguay wert? Herrlich, all' diese Fragen, oder? Während ich diese Zeilen schreibe, steigt meine Vorfreude ins Unermessliche. Endlich wieder WM-Adrenalin! Freuen wir uns gemeinsam auf ein herausragendes Fußballfest!

Ihnen allen eine tolle WM und unvergessliche Spiele wünscht

Carl-Eduard Meyer 

09 Mai 2014

Ich bleib dabei: Der HSV verliert und bleibt trotzdem in der Liga!


Das Bundesligafinale steht vor der Tür! Freuen wir uns auf Tränen, Tragödien und unbändigen Jubel. An der Spitze ist ja alles mehr oder weniger klar. Ganz Fußballdeutschland blickt aber voller Spannung auf den Abstiegskampf. Am Samstag gegen 17:15 Uhr werden Minuten oder sogar Sekunden darüber entscheiden, wer in der Liga bleibt. So ein Herzschlagfinale ist sowieso zum größten Teil nur reine Glückssache. Ich glaube jedenfalls fest daran, dass der HSV (Bild: dpa) sich retten wird. Warum? Letztlich ist es nur ein Gefühl. Aber mit einem einsatzbereiten Lasogga haben die Hamburger ihre Torgefährlichkeit um ein Vielfaches erhöht. Wie lautet also Ihr Abstiegstipp?

Als echter Absteiger kann sich jedenfalls auch Mario Gomez fühlen. Der ehemalige Top-Torjäger (Saison 2010/11 28 Tore) stand bei der Verkündung des vorläufigen WM-Kaders komplett auf dem Abstellgleis. Viele Verletzungen, keine Tore in Italien. Raus. Löw hat insgesamt für einige Überraschungen gesorgt. Volland statt Kruse und Zieler statt ter Stegen. Neuling Volland (der ein wirklich toller Stürmer ist und beim BVB auf dem Einkaufszettel stehen soll) kann sein Ticket schonmal fest einplanen. Neben Oldie Klose ist er der einzige nominelle echte Stürmer. Interessante Personalie. Sicher werden am Ende einige von Löw nominierte Jungspunde zu Hause bleiben müssen. Aber der Bundestrainer sendet ein klares Signal: Nehmt Euch in Acht, der Umbruch hat bereits begonnen!

Zurück zur Liga und zum Abstiegskampf: Braunschweig, Nürnberg und der HSV bleiben am 34. Spieltag wahrscheinlich punktlos. Alle haben Auswärtsspiele. Alle haben starke Gegner. Und für zwei von drei Gegnern geht es noch um wichtige Saisonziele. Mainz muss gegen den HSV punkten, um in die Europa League zu kommen. Schalke will gegen Nürnberg unbedingt die direkte Quali für die Champions League klar machen. Nur für Hoffenheim geht's gegen Braunschweig um nichts mehr. Aber das Schlusslicht aus Niedersachsen hat die drittbeste Offensive der Liga gegen sich. Das heißt: Wenn alles gut läuft, dann kann der HSV weiter munter verlieren und darf sich am Ende trotzdem als Sieger fühlen. Verrückte Liga!

Ein tolles Saisonfinale und viel Erfolg für Ihre Teams im Abstiegskampf wünscht

Carl-Eduard Meyer

25 April 2014

FC Bayern: Der Fluch der Rekorde?


Die schwarze Bestie hat versagt. Was Bayern in Madrid geboten hat, verdient leider nur das Prädikat "brotlose Kunst" (0:1). Klar, man hatte mehr Ecken, mehr Torschüsse und mehr Ballbesitz. Nützt aber nichts. Das Rückspiel nächste Woche muss mit mindestens zwei Toren Unterschied gewonnen werden. Ein Selbstgänger sieht anders aus. Die früheste Meisterschaft aller Zeiten hat sich zu einem Fluch entwickelt. Seitdem wirken die Münchener wie gehemmt. Vielleicht denken sie einfach zuviel nach über all die Rekorde, die jetzt zu brechen sind. Für die anstehenden Endspiele in Champions League und Pokal ist das jedenfalls der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Mein Tipp: In der Königsklasse ist dieses Jahr im Halbfinale Schluss.

Ähnliche Fragen zur Psyche des Teams stellt man sich derzeit auch beim HSV. Natürlich auf einem anderen Niveau. Was wird das Team am Sonntag in Augsburg präsentieren? Ein erfolgreiches Aufbäumen? Oder die totale Resignation? Ich fürchte, irgendetwas dazwischen. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Bis zum 34. Spieltag werden sich die Hamburger am letzten Strohhalm festklammern. Komischerweise habe ich immer das Gefühl, dass der HSV über die Relegation mit Ach und Krach den Klassenerhalt doch noch schaffen wird. Trotz aller Widrigkeiten. Ich jedenfalls würde den Lieblings-Derby-Gegner meiner Bremer sehr vermissen. Deshalb: Kopf hoch, HSV! Ihr packt das!

Ob der HSV in der Liga bleibt, hängt natürlich sehr von den Ergebnissen der Konkurrenz ab. Stuttgart scheint sich gefangen zu haben. Schon heute Abend kann der nächste Schritt gegen die auch noch nicht geretteten Hannoveraner gemacht werden. Nürnberg tritt morgen in Mainz an. Der Club hat zum finalen Mittel gegriffen und Trainer Verbeek rausgeschmissen. Bereits die zweite Trennung in dieser Saison. Das hilft bekanntlich meist gar nichts mehr. Aber auch Braunschweig kann es noch immer schaffen. Das Schlusslicht spielt in Berlin. Hertha ist das schwächste Team der Rückrunde. Da geht also was für die Niedersachsen. Es bleibt spannend wie ein Krimi. Und sonst? Bayern empfängt Werder, Dortmund reist zum Spitzenspiel nach Leverkusen.

Einen packenden Abstiegskampf und viele Tore wünscht

Carl-Eduard Meyer

11 April 2014

Uff, Real also! Der schwerste Gegner von allen!

Real Madrid heißt der Halbfinalgegner für den FC Bayern in der Champions League! Uff, der schwerste Gegner von allen, wie ich finde. Zum Glück geht's im Hinspiel nach Madrid. Wenigstens ein kleiner Vorteil. Wenn Ronaldo fit ist, dann stehen die Chance für ein Weiterkommen der Münchener nur bei höchstens 50 Prozent (Bild: dpa). Mehr auf keinen Fall. Ich habe die Münchener im Viertelfinale keineswegs so stark gesehen wie viele andere Kommentatoren. Wie eine Übermannschaft hat das auf weiten Strecken gegen ManU nicht ausgesehen. Aber es hat die Bayern schon immer augezeichnet, auf den Punkt Höchstleistungen abzurufen.

Auch in der Liga steht der FC Bayern im Fokus. Am Samstag Abend kommt es zum Topspiel gegen den BVB. Sportlich geht es eigentlich um nichts mehr. Trotzdem wird es ein heißes Prestigeduell werden. Besonders nach den letzten Scharmützeln zwischen Watzke und Hopfner. Der BVB-Boss spricht sogar von "persönlichen Beleidigungen". Das obligatorische gemeinsame Essen wurde abgesagt. Wahrscheinlich alles nur Theaterdonner. Viel spannender ist die Frage, welche Spieler Guardiola nach dem Augsburg-Desaster aufs Feld schickt. Ich schätze, die Youngster werden wieder zurück ins zweite Glied treten. Mein Tipp: Knapper Sieg für den FCB.

Unter besonderer Beobachtung wird der Abstiegsfight zwischen Hannover und dem HSV stehen. Eine seltsame Konstellation. Mirko Slomka scheint den fast tot geglaubten HSV wieder in die Spur zu kriegen. Jetzt trifft er auf seinen Nachfolger in Hannover. Nach tollen Anfangserfolgen kämpft Trainer-Neuling Korkut verzweifelt ums sportliche Überleben seiner Mannschaft. Ich sehe den HSV psychologisch und spielerisch vorn. Brisant wird auch das Kellerduell zwischen Freiburg und Braunschweig. Man mag es kaum glauben: Die Braunschweiger haben nur noch zwei Punkte Rückstand auf den Klassenerhalt. Toller Teamspirit bei Lieberknecht! Werder reist nach Mainz, Leverkusen empfängt im Spiel Eins nach Hyypiä die Hertha aus Berlin und Stuttgart kämpft gegen Gladbach um den Klassenerhalt.

Einen tolles Saison-Finish und viel Spaß mit Ihren Teams wünscht

Carl-Eduard Meyer

04 April 2014

Klopp: Schlechtes Vorbild für die eigene Mannschaft

Ich mag ja den Jürgen Klopp. Ich mag, wie er redet, wie er Fußball erklären kann und wie seine Mannschaft spielt. Was ich nicht mag, ist seine Dünnhäutigkeit. Das ist unprofessionell und am Ende äußerst peinlich für alle Beteiligten. Was soll das? Auch wenn eine Frage mal nicht 100% top ist, auch wenn man nach einer Niederlage frustriert ist, dann kann man doch zwei bis drei Platitüden absondern und gut ist. Von seinem Team erwartet Klopp ja schließlich auch, dass Mitspieler nach einem schlechten Pass nicht angemault werden, sondern dass alle gemeinsam ne' Schippe drauf legen. Also, Herr Klopp, bleiben Sie ruhig... (Foto: dpa) Ein 3:0 gegen Real Madrid umzubiegen ist hammerhart, keine Frage. Aber ich würde diese Dortmunder auf keinen Fall schon abschreiben.

Heute Abend macht der HSV den Spieltags-Aufschlag. Gegen Leverkusen. Krise gegen Krise. Dass bei den Hamburgern die Alarmglocken schrillen, ist ja nicht Neues. Beim Werksclub aus Westdeutschland ist das etwas ganz anderes. Alle hatten es sich behaglich eingerichtet unter Erfolgstrainer Hyypiä. Platz zwei war bereits fest eingeplant. Mittlerweile geht gar nichts mehr. Sogar zu Hause gegen Braunschweig erstolperte man sich nur ein 1:1 am letzten Wochenende. Ich würde viel dafür geben, Rudi Völlers aktuelle Gedankenspiele zu kennen. Es ist also alles bestens angerichtet für ein packendes Krisen-Duell.

Abstiegskampf pur gibt's dann am Samstag bei Stuttgart gegen Freiburg. Die Schwaben wollen immer noch nicht glauben, dass sie im nächsten Jahr gegen Aalen und Aue spielen. "Abstiegkampf nicht angenommen", lautet die viel gehörte Analyse. Anders der SC Freiburg. Monatelang hoffnungslos abgeschlagen, stehen die Breisgauer nun auf Platz 14. So geht Klassenerhalt! Die beinahe geretteten Bremer starten zu Hause gegen Schalke ihr extrem schweres Restprogramm. Hunt ist wieder fit. Spannend wird das Abendspiel. Dortmund gegen Wolfsburg. Die Wölfe wollen in die Champions League. Der BVB denkt eher ans Rückspiel gegen Real. Fokussierung ist gefragt! Die Bayern hingegen setzen ihr lockeres Auslaufen im schönen Augsburg fort.

Gute Nerven im Abstiegskampf wünscht

Carl-Eduard Meyer

28 März 2014

Bayern: Satt macht die Münchener nur das Doppel-Triple

Eine seltsame Fußballwoche liegt hinter uns. Der deutsche Meister steht fest. Glückwunsch an die Münchener. Noch nie hat es ein Team so sehr verdient, sich Deutscher Meister zu nennen. Zumindest aus einem streng mathematischen Blickwinkel betrachtet. Man muss allerdings nüchtern feststellen: Der Meistertitel war von vornherein eingepreist. Kein großer Jubel, Normalität eben (Bild: dpa). Die Ziele sind ehrgeiziger. Das Triple soll erstmals in der gesamten Fußballgeschichte verteidigt werden. Erst dann sind sie satt in München. Anschließend kann es ja dann eigentlich nur noch abwärts gehen. Der Spannung in der Liga würd'e das gut tun. Ich denke gerne zurück an spektakuläre Last-Minute-Entscheidungen (2001 inklusive Meisterschaft der Herzen) und an Überraschungssieger wie Wolfsburg 2009 oder Stuttgart 2007.

Anderes Thema: Die deutschen Clubs haben sich gegen die Torlinientechnik entschieden. Schade. Fußball ist eben konservativ und das ist ja prinzipiell auch gut so. Aber sinnvolle Innovationen sollten nicht aus Angst vor Veränderungen gestoppt werden. Wenn es ums Geld geht, ist man ja auch bereit, Neues auszuprobieren. Die Winter-WM in Katar oder die neue Nations League sind der beste Beweis. Aber mal ehrlich: Wer braucht heute noch Phantomtore mit anschließender Rudelbildung? Die Torlinientechnik hätte uns alle voran gebracht. Ich meine: Chance vertan.

Heute Abend geht der megaspannende Abstiegskampf in die nächste Runde. Meine Bremer reisen aber erst am Sonntag zum kleinen Nordderby nach Hannover. Werder verkündete diese Woche den Abschied von Aaron Hunt zum Saisonende. Unter den Fans gilt er als der einzige Profi im Kader, der überdurchschnittlich begabt ist. Der letzte seiner Art. Gelingt Werder der Klassenerhalt, muss der Verein sich (schon wieder) komplett neu erfinden. Der HSV tritt in Gladbach an. Lasogga ist wieder fit. Hoffnung für den Dino. Stuttgart spielt zu Hause gegen den BVB. Bisher hat sich unter Stevens noch nicht viel gebessert. Im Gegenteil. Mittlerweile rangieren die Schwaben auf einem direkten Abstiegsplatz. Freiburg spielt gegen den direkten Konkurrenten Nürnberg. Und der frisch gebackene Deutsche Meister? Der hat ein Trainingsspiel zu Hause gegen Hoffenheim. Zur Vorbereitung auf die Triple-Verteidigung. Na denn ...

Tolle Tore und tolle Spiele wünscht

Carl-Eduard Meyer

21 März 2014

In Dortmund ist die ganz große Party erstmal vorbei

Soeben hat die UEFA ausgelost: Dortmund trifft im Viertelfinale der Champions League auf Real Madrid, Bayern muss sich mit ManU messen. Beide deutschen Clubs spielen erstmal auswärts. Sehr gut! Aber wie auch immer Klopps Truppe im Viertelfinale performt, man hat einfach das Gefühl, dass die ganz große Party in Dortmund vorbei ist. Der Trainer ist dünnhäutig (kabbelt sich mit Olli Kahn vor laufender Kamera), das Publikum ist ungeduldig (laute Unmutsbekundungen bei jedem Ballverlust) und Bayern München spielt mittlerweile eine Liga höher als die Schwarz-Gelben (Foto: dpa). Frustrierend. Auf Teufel komm raus muss Dortmund es schaffen, zur nächsten Saison wieder zu brennen. Nach dem Abschied von Lewandowski muss ein absoluter Kracher her, um das Umfeld zu elektrisieren. Ein Adrian Ramos von Hertha reicht da sicher nicht. Real Madrid kommt zur falschen Zeit.

Bayern hat es besser getroffen. Der taumelnde Gigant aus Manchester ist eine machbare Aufgabe. In der englischen Liga steht ManU nur auf Platz sieben. Nach dem Abschied von Legende Sir Alex Ferguson befindet sich der Club in mitten einer turbulenten Übergangsphase. Ich wage mal zu prognostizieren, dass ManU in dieser Form kein Gegner für die Über-Bayern ist. Ansonsten spielt Barca gegen Atletico und Chelsea gegen St. Germain Paris. Tolle Partien. Insbesondere wenn die beiden Geld-Clubs aus England und Frankreich aufeinandertreffen. Wer hat seine geschenkten Millionen am besten investiert?

Doch zur Bundesliga: Zum vorerst letzten Mal kommt es zu drei direkten Abstiegsduellen an einem einzigen Spieltag. Wer sich jetzt noch kein Punktepolster angefressen hat, für den wird es demnächst gegen die Großen beinahe ausichtslos. Werder hat die besten Karten. Fünf Spiele in Folge ohne Niederlage sind ein deutliches Statement an die Konkurrenz. Mit einem Sieg gegen Freiburg heute Abend, wäre der Klassenerhalt für Werder schon so gut wie eingetütet. Huub Stevens feiert morgen ausgerechnet gegen den HSV sein Heimdebüt als Schwaben-Trainer. Das wird ein unschöner und beinharter Fight. Vorteil HSV würde ich aber sagen. Zu guter Letzt treffen noch Nürnberg und Frankfurt aufeinander. Vehs Abschiedstour ist plötzlich zur Existenfrage mutiert. Bitter für den scheidenden Erfolgstrainer. Und sonst? Bayern kann in Mainz frühester Meister aller Zeiten werden, wenn die anderen patzen. Freut mich für die Münchener, für die Liga ist's aber leider eher zum Gähnen.

Tore satt für Ihre Teams wünscht

Carl-Eduard Meyer

14 März 2014

Hoeneß-Affäre: Endlich klares Zeichen gesetzt. Und nun lasst ihn auch in Ruhe!

Diese Woche gibt's nur ein Thema: Uli Hoeneß (Foto: dpa). Den Knast hat er heute akzeptiert, ohne Wenn und Aber. Es wurde aber auch höchste Zeit für ein klares Zeichen. Nach der Salamitaktik der letzten Tage, als die hinterzogenen Millionen Stück für Stück ans Tageslicht krochen, brauchte die Ikone Hoeneß einen spektakulären Cut, um mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen. Von Montag bis Mittwoch gab der Bayern-Manager ein erbärmliches Bild ab. Alle forderten seinen Kopf. Nun ist plötzlich der Respekt da. Die Öffentlichkeit ist sehr sensibel für passende Gesten. Hoeneß hat das richtige Zeichen gesetzt. Häme oder gar Schadenfreude verbieten sich. Lasst ihn nun in Ruhe. Der Gang in den Kerker ist für einen Jet-Set-Mann und Vielflieger Strafe genug. Und das Geld nachzahlen mit Zins und Zinseszins muss er ja auch noch. Hoffen wir nur, dass die Staatsanwaltschaft nicht noch in Revision geht. Genug Porzellan ist zerbrochen.

Viel Porzellan ist auch in Stuttgart zu Bruch gegangen. Eine schier endlose Serie der Erfolglosigkeit und Wut schäumende Fans auf dem Stadionzaun. Jung-Trainer Schneider war nicht mehr zu halten. Es war bereits die zweite Trainerentlassung für die Schwaben in dieser Saison. Nun soll der alte Haudegen Huub Stevens den frustrierten Stuttgart-Profis Beine machen, um genug Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. Wahrscheinlich wird es funktionieren. Stevens hat genug Standing, um kurzfristig ein paar Spiele zu gewinnen. (Bitte aber nicht am Samstag gegen Werder ...) Ob der "Knurrer von Kerkrade" aber der Richtige ist, um langfristig eine junge, spielstarke Mannschaft aufzubauen, wage ich zu bezweifeln.

Was liegt noch an an diesem 25. Spieltag in der Bundesliga? Wie schon in den letzten Wochen ist der Abstiegskampf das eigentliche Highlight. Oben in der Tabelle ist eh alles klar. Einzig der Kampf um die Plätze Drei und Vier ist noch nicht ausgestanden. Alle fragen sich: Kann Slomka beim HSV die richtigen Zeichen setzen, um aus dem Keller noch herauszukommen? Am Sonntag gastiert der 1. FC Nürnberg  (14.)  in Hamburg (16.). Ein klassisches sechs-Punkte-Spiel. Geht das für die Rothosen daneben, dann ist das ein extrem gefährlicher psychischer Knackpunkt für Trainer und Team. Lasogga fällt weiterhin aus, van der Vaart ist wieder fit. Weitere Abstiegskracher lauten Frankfurt (13.) gegen Freiburg (17.) und Werder (11.) gegen Stuttgart (15.). Es schon ein erstaunlicher Spielplan, der wochenlang die Tabellen-Schlusslichter gegeneinander antreten lässt! Danke dafür, liebe DFL. Das eigentliche Top-Spiel heißt Bayern gegen Bayer. Aber im Ernst. Glaubt irgendjemand, dass die Münchener dabei Federn lassen werden? Ich nicht. Dortmund empfängt Gladbach, Schalke spielt in Augsburg.

Schöne Tore und tolle Siege für Ihre Teams wünscht

Carl-Eduard Meyer

07 März 2014

Leute, das war nur ein Testspiel! Fußballdeutschland kriegt die Krise

Das muss man sich mal vorstellen: Da gewinnt die Deutsche Nationalmannschaft in einem unbedeutenden Testspiel 1:0 gegen Chile. Und was passiert? Fußballdeutschland kriegt die Krise und pfeift die eigene Mannschaft gnadenlos aus. Sogar der Vorbereiter des entscheidenden Tores wird bei seiner Auswechselung vom Publikum niedergemacht. Ganz arme Vorstellung des Stuttgarter Publikums... . Insbesondere Mesut Özil (Foto: dpa) gegenüber. Was erwarten die denn? Dass jeder Spieler in diesem Übungskick um sein Leben rennt? Dass die Profis in der entscheidenden Saisonphase zwischen wichtigen Champions-League-Spielen ein Testmatch zur obersten Priorität erklären? Unsere Fußballwelt ist so unglaublich kurzlebig. Als 2006 Klinsmann wenige Monate vor der WM gegen Italien 1:4 unterging, da wollte man den späteren Helden und Vater des Sommermärchens gleich mal rausschmeißen. Wäre rückblickend ne' wirklich klasse Idee gewesen! Also Leute, bitte etwas mehr Gelassenheit!

Gelassenheit kann am Wochenende auch HSV-Trainer Mirko Slomka vertragen. Ihm gehen langsam die Spieler aus. Und das vor dem vielleicht schon existenzentscheidenden Heimspiel gegen Abstiegskonkurrent Frankfurt. Jetzt sind diese Woche auch noch Lasogga, Jansen und van der Vaart ins Hamburger Lazarett eingezogen. Bisher Verbannte und Transfer-Flops müssen also die Karre aus dem Dreck ziehen. Das wird ganz, ganz schwer für den HSV. Ich als Bremer würde die Rothosen auf jeden Fall sehr vermissen. Deshalb drücke ich Slomka und seiner Truppe heimlich die Daumen. Auf so schöne Nordderbys wie letzte Woche (1:0 für Werder) möchte ich in der nächsten Saison sicher nicht verzichten.

Auch bei den anderen Clubs der unteren Tabellenregionen stehen wichtige Spiele an. Stuttgart (15.) empfängt Braunschweig (18.). Wohl die letzte Chance für Trainer-Novize Schneider. Ein weiterer Ausbau der historischen Pleitenserie würde das Aus bedeuten. Auch Braunschweig muss endlich punkten, um die Chance auf den Klassenerhalt zu wahren. Unmöglich ist das nicht! Werder (13.) hingegen reist nach Nürnberg (14.). Beide Clubs zeigen eine positive Tendenz und wollen näher an die sicheren Regionen heran. Ein Unentschieden muss für meine Bremer drin sein! Freiburg (17.) hat's am schwersten. Der BVB kommt am Sonntag in den Breisgau. Sehr spannend ist auch mittlerweile, wie es mit Leverkusen weitergeht. Was ist mit denen bloß passiert? Nach einer tollen Hinrunde wird jetzt eine Partie nach der anderen vergeigt. Am Samstag wartet Hannover auf Hyypiäs Mannschaft. Ach ja, und die Bayern? Die schießen den VfL Wolfsburg aus dem eigene Stadion heraus. Was auch sonst?

Einen packenden Abstiegskampf und tolle Tore für Ihre Teams wünscht

Carl-Eduard Meyer

28 Februar 2014

Nordderby: Bitter, aber Vorteil HSV

Alle Blicke am Fußballwochenende richten sich gen Norden. Das 100. Derby zwischen Werder und dem HSV steht auf dem Spielplan (Foto: dpa). Durch die norddeutsche Brille betrachtet heißt das: Mehr geht nicht! Die aktuellen Umstände machen das Match zu einem absoluten Nervenspiel: Beide Traditionsclubs müssen einen Big Point erzielen. Es geht schon fast ums sportliche Überleben. Zu Werder: Die Qualität ist im Keller. Noch kein Sieg in diesem Jahr. Dutt redet seine Leute trotzdem stark. Einziger Lichtblick ist die Rückkehr von Spielmacher Hunt. Zum HSV: Nach dem 3:0 letzte Woche gegen Dortmund sind die Rothosen im Aufwind. Der Trainerwechsel zu Mirko Slomka hat die richtigen Reizpunkte scheinbar aktiviert. Insgesamt leichter Vorteil für die Hamburger. Fällt mir als Bremer nicht leicht, das zuzugeben.

Für Schalke lief es nicht eben rund in der Champions League am Mittwoch. Man wollte sich gegen Real so gut wie möglich verkaufen. Das ging mit 1:6 aber vollends in die Hose. So richtig wissen sie in Gelsenkirchen trotz toller Erfolge in der Liga immer noch nicht, wo sie mit Trainer Jens Keller wirklich stehen. Aber auch in München wird man den Auftritt von Ronaldo & Co. sehr aufmerksam beobachtet haben. Kleine, aber ernste Sorgenfalten mögen sich auf Pep Guardiolas Stirn gebildet haben. Ein Real Madrid unter Ancelotti mit Bale, Ronaldo und Benzema in der Offensive kann auch dem FC Bayern problemlos ein paar Tore einschenken. Sollten die beiden Clubs im Viertelfinale aufeinander treffen, liegt in der Defensive der Schlüssel zum Erfolg.

Was ist sonst los an diesem 23. Bundesligaspieltag? Das Topspiel heißt ohne Zweifel Bayern gegen Schalke. Sicher wollen die Knappen sich nach der Real-Klatsche Selbstvertrauen erspielen. Aber das wird wohl nichts. Bayern wird Königsblau aus dem Stadion schießen. So einfach und so langweilig ist das. Selbst Verletztenmeldungen sind mittlerweile egal beim FCB. Die Nachrücker sind ja schließlich auch weltklasse. Bitter für die Konkurrenz! Dafür finden wir aber mit Frankfurt (13.) gegen Stuttgart (15.) ein weiteres brisantes Abstiegsduell auf dem Spielplan. Nach dem unglücklichen 3:3-Aus gegen Porto in der Europa League können die Hessen sich nun komplett auf die Liga konzentrieren. Auch ein Vorteil. Ich tipp' jetzt einfach mal die Absteiger: Freiburg, Braunschweig, Stuttgart. Was meinen Sie? Sehen Sie das anders? Ansonsten können wir uns morgen auf Dortmund gegen Nürnberg und Leverkusen gegen Mainz freuen.

Ein packendes Nordderby ohne Gewalt wünscht

Carl-Eduard Meyer

21 Februar 2014

Slomka beim HSV: Beten und gute Laune

So, nun soll es also Mirko Slomka (Bild: dpa) beim HSV richten. Die gute Laune, die derzeit in Hamburg auf Knopfdruck enstanden ist, und der inszeniertee Zweckoptimismus beim Bundesliga-Dino sind allerdings einigermaßen durchschaubar. Slomka hat keine Chance, und die muss er nutzen. Er redet die Truppe stark, setzt Reizpunkte (Westermann wohl raus aus der Startelf), inszeniert sich als echter Hamburger (im Gegensatz zu seinem Vorgänger mit festem Wohnsitz) und betet ansonsten allabendlich zum lieben Fußball-Gott, dass seine Rechnung aufgeht. Der Spielplan meint es allerdings nicht gut mit dem HSV: Dortmund kommt. Slomka muss die wahrscheinliche Niederlage positiv verkaufen und die starken Momente seiner Mannschaft herausstellen. Oder der liebe Gott trägt die Raute im Herzen und schenkt Slomka am Samstag ein Fußballwunder... Ich freu' mich auf dieses Spiel!

Das Spiel der Bayern gegen Arsenal am Mittwoch war bemerkenswert. Nicht nur wegen des Ergebnisses (2:0 für die Münchener). Guardiolas Mannschaft hatte rund 80 Prozent Ballbesitz. Und das auswärts bei einer Top-Truppe wie den Londonern. Unglaublich! Dazu machte Toni Kroos eines der besten Spiele seiner Karriere und ließ Özil, seinen Konkurrenten um die Spielmacherposition in der Nationalmannschaft, unglaublich schlecht aussehen. Und dass der Beinahe-Weltfußballer Ribery bei dieser Bayern-Gala gefehlt hat, ist auch für niemanden ein Thema. Nun muss Pep es nur noch schaffen, aus den Bayern den ersten Titelverteidiger der Champions-League-Historie zu machen. Ich halte das für keineswegs unrealistisch.

Heute Abend machen Schalke und Mainz den Opener in der Liga. Beide Mannschaften sind in den letzten Wochen in der Tabelle deutlich nach oben geklettert. Schalke auf 4, Mainz auf 7. Das wird ein feines Spiel! Stuttgart empfängt Hertha. Aber was ist da los bei den Schwaben? Einigermaßen unerwartet findet sich der VfB mitten im Abstiegsstrudel wieder. Eine wahnsinnig schwere Aufgabe für den jungen Trainer Schneider. Überhaupt ist der Abstiegskampf derzeit spannender als die Situation an der Tabellenspitze. Mit Frankfurt, Werder, Nürnberg, dem HSV und Stuttgart stecken fünf Traditionsclubs im tiefsten Schlamassel! Da werden am Saisonende Tränen fließen. Aber hoffentlich nicht bei meinen Bremern. Die Grün-Weißen müssen in Frankfurt ran, Nürnberg empfängt Augsburg.

Gute Nerven für den Abstiegskampf und viel Erfolg für Ihre Vereine wünscht

Carl-Eduard Meyer

14 Februar 2014

HSV: Auf der Rolltreppe ins Tiefgeschoss

Wow, was derzeit beim HSV abgeht, das hätte sich kein Drehbuchautor dramatischer ausdenken können. Intrigen, Demontagen, Nebelkerzen. Wer ist gut? Wer ist böse? Keiner blickt mehr durch. Fakt ist: Magath kommt nicht. Die Mannschaft agiert desaströs. Am Samstag ist in Braunschweig Abstiegsgipfel. Danach werden die Karten wieder neu gemischt. Beim HSV denkt man nur noch in Tagen. Langfristige Perspektiven sind im großen Durcheinander der Interessengruppen nicht mehr durchzusetzen. Auch wenn man kein Magath-Fan ist: Hätte die HSV-Ikone das Ruder übernommen, dann wäre zumindest ein Ende des zermürbenden Herumgewurschtels dabei herausgekommen. Klare Kante wäre allemal besser gewesen als ein ungeordnetes "Weiter so". Der HSV auf der Rolltreppe ins Tiefgeschoss (Bild: dpa).

Auch in Leverkusen brannte diese Woche der Baum. Mit einer blamablen Vorstellung verabschiedete sich der Tabellenzweite mit einem 0:1 gegen Zweitligist Kaiserslautern aus dem DFB-Pokal. Unglaublich! Nun kommt am Samstag Abend Schalke in die BayArena. Die Knappen sind derzeit super drauf. Achtung, Rudi Völler, so kann man den direkten Einzug in die Champions League schnell verspielen. Anders dagegen der VfL Wolfsburg: So langsam entwickelt Heckings Truppe Stabilität bei Spitzenleistungen. Trumpf dabei: Diva Diego wurde gegen den Strategen de Bruyne ausgetauscht. Wahrscheinlich der wichtigste Transfer von Allofs überhaupt. Um de Bruyne herum lässt sich etwas aufbauen.

Und gegen wen gewinnen die Bayern am Wochenende? Genau. Gegen Freiburg. Das waren übrigens die ersten, die den Münchenern in dieser Saison einen Punkt abgeknapst haben. Schade, dass sich die tolle Entwicklung der Breisgauer nicht fortgesetzt hat. Immerhin hat Streichs Truppe mittlerweile den Abstiegsplatz an den HSV weitergereicht. Gute Meldung im Hinblick auf die WM: Schweini ist wieder fit! Gladbach tritt bei meinen Bremern an. Dutt & Eichin können sich freuen, dass der HSV ihnen derzeit die Show stiehlt. Deshalb können sie trotz anhaltendem Misserfolg ohne großen Gegenwind weiterarbeiten. Erstaunlich, wie man in Bremen die Besonnenheit wahrt. Dortmund spielt schon wieder gegen Frankfurt, die taumelnden Stuttgarter treten in Hoffenheim an (Wirkung des Trainerwechsels komplett verpufft ...?) und Hertha erwartet am Sonntag die Wölfe.

Einen tollen Spieltag und gute Besserung dem HSV (ohne Häme) wünscht

Carl-Eduard Meyer

07 Februar 2014

SVW und HSV: Die Krise wohnt im Norden

Die Krise des deutschen Fußballs wohnt im Norden. Werder und der HSV taumeln dem Abstieg entgegen. Beide immerhin die zweit- und drittplatzierten Vereine der ewigen Bundesliga-Tabelle. Bitter für mich als Bremen-Fan und natürlich auch für die vielen HSVer hier bei news aktuell. Fangen wir mit den Rothosen an. Kapitän van der Vaart stolpert seit Wochen und Monaten glücklos über den Platz. Es gelingt ihm nicht mehr, das Spiel zu lenken.Trainer van Marwijk agiert extrem ungeschickt ("Nicht ich steige ab, sondern Ihr."). Dazu das seltsame Phänomen, dass anscheinend alle Spieler individuell schlechter werden, sobald sie beim HSV landen. Bestes Beispiel: Als "Fehleinkauf" Skjelbred von Hamburg nach Berlin wechselte, blühte er sofort auf und ist Stammspieler mit ordentlicher Leistungsbilanz. Am Sonntag ist die Hertha zu Gast in Hamburg. Mal wieder ein Schicksalsspiel für den Liga-Dino!

Auch bei Werder wird's langsam düster. Untauglich für die Bundesliga lautete das vernichtende Urteil der Kommentatoren nach dem 1:3 gegen Augsburg am letzten Spieltag. Dutts Ziel, die Mannschaft im gesicherten Mittelfeld zu platzieren, kann getrost als gescheitert betrachtet werden (Foto: dpa). Auch für ihn wird's bald ungemütlich. Warum die Profis in Augsburg kollektiv 90 Minuten im Tiefschlaf verbracht haben, kann auch er nicht erklären. Und nun die üblichen Parolen: "Haben toll trainiert", "Wir laufen gegen Dortmund bis wir kotzen", "Die Mannschaft hat es jetzt verstanden". Wer soll daran noch glauben? Immerhin sind mit Hunt und Neuzugang Obraniak am Samstag gegen den BVB zwei neue spielstarke Akteure auf dem Feld. Trotzdem wird es wohl keinen Punktgewinn geben.

Zum aktuellen Spieltag: Ach, war das noch schön, als es den FC Hollywood gab. Jede Woche Gezanke und Gezeter beim FC Bayern. Auch wenn die Qualität des FCB absolut beeindruckend ist - besonders spannend ist das Geschehen derzeit nicht an der Säbener Straße. Guardiolas Megatruppe spielt am Samstag in Nürnberg. Wahrscheinlich können die Bayern im März die Meisterschaft feiern, wenn es so weitergeht. Interessanter ist dagegen die plötzliche Auferstehung von Schalke 04. Nach zwei Siegen steht man schon wieder auf Platz vier. Aus Keller wird man einfach nicht schlau. Die Knappen empfangen Hannover 96. Noch so eine Erfolgsstory. Neuer Trainer, zwei Siege in Folge - alles wieder in Butter bei 96. Wolfsburg begrüßt Mainz, Gladbach und Leverkusen machen heute Abend den Auftakt.

Ein tolles Fußball-Wochenende wünscht

Carl-Eduard Meyer

31 Januar 2014

Krise total: Beim HSV geht's abwärts

Für einen Verein gab's diese Woche so richtig auf die Mütze: Für den HSV (Foto: dpa). Der Verein mit der Raute, der sich aufgrund phänomenaler Erfolge Anfang der Achtziger immer noch zu den Großen der Liga zählt, steht mit dem Rücken zur Wand. Nach der schlappen 0:3-Vorstellung gegen Schalke stehen die Rothosen auf dem Relegationsplatz. Trainer van Maarwijk muss sich für Heimreisen und freie Tage rechtfertigen. Klare Signale, dass sich alle beim HSV für den Verein zerreissen, sehen anders aus. Verärgerung, Frust und Erfolglosigkeit sind eine unheilvolle Mischung. Bitte aufwachen, HSV! Der Norden braucht einen starken und gesunden Bundesligaverein. Das ist extrem wichtig für die Stadt und die Region. Von der Idee, sich in Liga Zwei zu gesunden, halte ich nichts. Das kann ein mächtiger Schuss in den Ofen werden. Siehe zum Beispiel München 1860.

Auch in Dortmund läuft es alles andere als rund. Krampfig und uninspiriert trat der BVB gegen Augsburg an. Was ist da bloß los? Jetzt ist auch noch Kuba für den Rest der Saison außer Gefecht. Zwar hat Klopp bereits Ersatz verpflichtet, aber die Probleme liegen wesentlich tiefer. Der junge Serbe Milos Jojic (21) von Partizan Belgrad scheint ein vielversprechender Mittelfeld-Allrounder zu sein, aber ein Heilsbringer ist er nicht. Was Klopp und der BVB tun müssen, klingt so einfach, ist aber wahnsinnig schwer: Der Verein braucht diesen Hunger, diesen unglaublichen Spaß am Spiel zurück, um wieder den gewohnten (und erfolgreichen) Hochgeschwindigkeits-Fußball zu bieten. Hoffentlich wird das Frustpotenzial bei Schwarz-Gelb nicht noch größer. Ein gewisses Gegengewicht zum FC Bayern ist für die komplette Liga wichtig!

So, und nun ab aufs Spielfeld! Heute Abend kann sich der BVB in Braunschweig ein Erfolgserlebnis holen. Wenn man nicht beim Schlusslicht gewinnt, wo denn dann? Unser zweites Sorgenkind, der HSV, reist nach Hoffenheim. Nicht eben ein Wunschgegner. Im Hinspiel gab's zu Hause eine deftige 1:5-Klatsche. Bayern empfängt am Sonntag Frankfurt. Gähn ... . So langsam wird's mit den Super-Bayern wirklich etwas langweilig. Tolles Verfolger-Match am Samstag: Schalke gegen Wolfsburg. Draxler geht nun doch nicht zu Arsenal. Gut für die Knappen! Werder spielt in Augsburg, Gladbach in Hannover.

Tore satt und viel Erfolg für Ihre Teams wünscht Ihnen

Carl-Eduard Meyer

24 Januar 2014

Endlich geht's wieder los! Vorfreude auf die Bundesliga-Rückrunde

Endlich geht der Fußball wieder los. Nach einer einigermaßen ereignisarmen Winterpause rollt der Ball heute Abend zum Auftakt der Bundesligarückrunde in Mönchengladbach. Gegner der Fohlen ist niemand Geringeres als der Mega-FC-Bayern (Live, ab 20.15 Uhr bei ARD und Sky). Aber was war überhaupt los in den letzten Wochen? Frank Ribery (Bild: dpa) wurde nicht Weltfußballer, der FCB hat unglaublicherweise ein Testspiel verloren (0:3 gegen Red Bull Salzburg) und der HSV hat sich mehr oder weniger erfolgreich mit sich selbst beschäftigt. Alles keine wirklichen Aufreger, denkt der geneigte Fußball-Fan. Aber für alle ein Grund mehr, den Anstoß heute Abend mit großer Vorfreude herbeizusehnen.

Die Rückrunde 2013/14 verspricht trotz der Pole Position für die Bayern so richtig spannend und aufregend zu werden. Kommt der BVB wieder in die Form der letzten beiden Jahre? Wird Gladbach sich tatsächlich ganz oben festsetzen? Welche Krise brütet Schalke derzeit aus? Werden Werder und der HSV sich aus dem Abstiegskampf heraushalten können? Kann der VfL Wolfsburg den Großangriff auf die Champions League erfolgreich gestalten? (Immerhin wurden in der Autostadt mit Gustavo und de Bruyne mehr als 40 Millionen EURO investiert.) Auch die Wochen vor der WM versprechen jede Menge Zündstoff. Jeder Nationalspieler wird sich in der Rückrunde voll reinhängen, um einen der heiß umkämpften Plätze in Jogis Entourage zu ergattern.

Werfen wir aber noch einen Blick auf die übrigen Auftaktmatches des Wochenendes: Der BVB muss zu Hause gegen Augsburg punkten. Ohne Wenn und Aber! Augsburg hat sich zuletzt toll entwickelt und steht überraschend auf Platz 8. Ein Spaziergang wird das für die Schwarz-Gelben auf keinen Fall. Der HSV empfängt am Sonntag Schalke 04. Trainer Keller sitzt immer noch auf der Bank, obwohl alle mit seiner Demission gerechnet haben. Er will's jetzt allen zeigen. Aber auch der HSV muss nach seinen internen Reformdiskussionen, zwei Neuzugängen und der immer noch nachwirkenden Heimniederlage gegen Mainz volle Pulle auf Sieg spielen. Ich erwarte einen hochemotionalen Fight! Werder spielt zu Hause gegen Braunschweig (Ein Dreier ist für das heutige Geburtstagskind Robin Dutt Pflicht!), Champions-League-Kandidat Wolfsburg begrüßt Hannover im Niedersachen-Derby und das Top-Team Leverkusen tritt in Freiburg an.

Einen tollen Rückrundenstart und viel Spaß mit Ihren Teams wünscht

Carl-Eduard Meyer

20 Dezember 2013

Bundesliga-Gewinner: FC Bayern, Verlierer: BVB, Frankfurt, Braunschweig


Das Fußball-Jahr geht zu Ende. Höchste Zeit, sich einige Gedanken über die Highlights der letzten Monate zu machen: Über allem thront der unvergleiche, majestätische FC Bayern (Foto: dpa). Das muss man sich mal klar machen: Ein Verein holt souverän das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Und dann? Dann holen sie sich den erfolgreichsten Trainer der Welt dazu und können sich auch noch absolute Ausnahmespieler wie Götze und Thiago leisten. So verhalten sich wahrlich nur die "Kosmischen"! (Selbst eine Kleinigkeit wie ein millionenschwerer Steuerbetrug des Vereinsbosses wird smart weggelächelt ...) Verbeugen wir uns alle in Demut vor so viel Größe und Erfolg! Am Samstag dürfen wir dann wohl bei der obskuren Club-WM den nächsten Titel bejubeln ...

Und wer sind die Verlierer der Bundesliga-Hinrunde? Für mich Dortmund, Frankfurt und Braunschweig. Der BVB hat sicher schwer daran zu schlucken, dass die Konkurrenz aus München derzeit mit Siebenmeilenstiefeln enteilt. 14 Punkte trennen die beiden Giganten bereits. Die Meisterschaft kann man in Dortmund abhaken. Lange Gesichter gibt's auch in Frankfurt. Die Überflieger der Vorsaison haben eine volle Bruchlandung hingelegt. Zwar spielen die Hessen recht souverän die Europa League, aber in der Bundesliga reicht es derzeit nur für Rang 15. Ganz bitter läuft es für Aufsteiger Braunschweig. Trotz großer Euphorie im Umfeld gibt es Woche für Woche auf die Nuss. Unterm Strich stehen mikroskopische acht Punkte und das Ticket für Liga Zwei.

Heute Abend startet der letzte Spieltag des Jahres. Da will jeder Krisen-Club auf den letzten Drücker noch drei Punkte einfahren. So zum Beispiel Werder. Aber ob das ausgerechnet gegen den Vize-Herbstmeister Leverkusen gelingen wird? Wohl kaum. Rauhe See erwartet Dutt an der Weser. Ähnlich Grau in Grau sieht es beim HSV aus. Die Rothosen wollen zu Hause gegen zuletzt quirlige Mainzer das Punktekonto aufwerten. Der BVB empfängt die toll aufspielende Hertha (Platz 7). Reus und Co müssen endlich ihre Chancenauswertung verbessern. Bayern tritt bei der Club WM an und spielt erst Ende Januar gegen Stuttgart. Schönes Match aber in Gladbach: Die glänzend aufgelegten Fohlen empfangen die zuletzt ebenfalls treffsicheren Wolfsburger.

Ein schönes Fest, einen guten Rutsch und eine nicht allzu langweilige fußballfreie Zeit wünscht

Carl-Eduard Meyer

13 Dezember 2013

Wo ist Dortmunds Dominanz geblieben?

Starke Leistung des deutschen Fußballs. Bayern, Dortmund, Schalke und Leverkusen haben es komplett ins Achtelfinale der Champions League geschafft! Bis auf die Münchener war es bei allen Clubs denkbar knapp. Insbesondere Dortmund hat Moral bewiesen und mit einem Akt der absoluten Willenskraft erst in der 87. Minute das Weiterkommen perfekt gemacht (Bild: dpa). Wahnsinn! Es zeigt aber auch, dass die beeindruckende Dominanz der Schwarz-Gelben aus der Vorsaison derzeit auf Eis liegt. Irgendwo ist Sand im Getriebe. Sind die Neueinkäufe Mkhitaryan und Aubameyang doch nicht geeignet für höchste Weihen? Liegt es an den zahlreichen Verletzten? Irgendwie fehlen die letzten Prozentpunkte, um ganz vorne mitzuspielen. Klopp hat ne' Menge Arbeit vor sich.

Heute Abend steht der SV Werder Bremen unter Druck wie schon lange nicht mehr. Mit 0:7 hat sich die einstige Top-Mannschaft zu Hause vom FC Bayern abschlachten lassen. Trainer Dutt verliert langsam die Fassung und wirkt bereits deutlich angespannter als bei seinem Dienstantritt im Sommer. Vereinschef und Legende Willi Lemke fährt eine Politik der ruhigen Hand. Nichts anderes als eine harte Saison habe man an der Weser erwartet, sagt er. Dutt und Sportchef Eichin seien Volltreffer. Das bleibt abzuwarten. Wenn heute das Spiel gegen Hertha in die Hose geht, dann ist purer Abstiegskampf in Bremen angesagt. Ob's dann bei der ruhigen Hand bleibt, scheint mir unwahrscheinlich.

Weitere feine Partien hält der 16. Spieltag bereit. Der HSV reist nach München. Nach dem blamablen 0:1 gegen Augsburg und mit der Erinnerung an das 2:9 der Vorsaison im Gepäck schlottern den Rothosen spürbar die Knie. Der BVB tritt in Hoffenheim an. Ein Torfestival können wir fest einplanen. In Sinsheim fallen die meisten Treffer. Leverkusen empfängt Frankfurt. Während die Hessen letzte Saison noch die Überraschungself schlechthin waren, nimmt derzeit die Truppe von Sami Hyypiä diese Rolle ein. Hut ab vor der ruhigen und akribischen Arbeit des Finnen beim Werksclub. Belohnung: Platz 2. Und sonst? Duell der Enttäuschten in Hannover. Die Niedersachsen empfangen den schlingernden Club aus Nürnberg. Schalke spielt gegen Freiburg, Mainz empfängt Gladbach.

Tolle Tore und viel Spaß mit dem 16. Spieltag wünscht

Carl-Eduard Meyer

06 Dezember 2013

Auslosung WM 2014: Hallo Italien, Frankreich, Holland! Wir kommen!

Heute Abend blickt die Welt nach Südamerika. Die Spielgruppen der WM 2014 werden ausgelost. Gastgeber Brasilien hat sich für die erste große Visitenkarte, die abgegeben wird, nicht lumpen lassen: Ein ganzes Veranstaltungszentrum wurde aus dem Boden gestampft, um der Fußball-Welt ein hübsches Bild aus Palmen, Strand und Gastfreundschaft zu bieten (Foto: dpa). Hoffen wir, dass das alles am Ende nicht nur Kulisse ist. Aber wen wünschen wir uns in unserer Gruppe? Wenn es dumm läuft, könnten wir bereits in der Vorrunde auf Italien, Frankreich oder auch unseren Lieblingsfeind Holland treffen. Dazu noch die USA mit Klinsi oder auch Mexiko aus Topf 3. Plus ein starkes afrikanisches Team aus Topf 2 und fertig wäre die ultimative Hammergruppe. Aber vertrauen wir mal lieber auf das traditionelle deutsche Losglück und freuen uns auf Algerien, Honduras und Bosnien-Herzegowina.

Die DFL hat diese Woche entschieden, dass die Bundesliga das traditionelle Meisterjahr von August bis Juni beibehält. Die Umstellung auf's Kalenderjahr wurde von den Vereinen mit großer Mehrheit abgelehnt. Zum Glück! Wäre ja noch schöner, wenn die nationalen Ligen sich dem FIFA-Vorstoß einer "Winter-WM" in Katar unterwerfen müssten. Die Entscheidung, die WM 2022 in der Wüste stattfinden zu lassen, ist sowieso schon fragwürdig genug. Stellen Sie sich vor, die entscheidenden deutschen Meisterschaftsspiele finden im verschneiten Stadion statt. Kein gemeinsames Gucken am Grill unter freiem Himmel mit Freunden und Familien. Vielleicht sogar noch mit Spielabsagen, die die gesamte Meisterschaft durcheinanderbringen ... Nein, Danke! Alles richtig gemacht, liebe DFL.

Der 15. Spieltag hält für uns echte Leckerbissen bereit. Mit Dortmund und Leverkusen treffen die beiden direkten Bayern-Jäger aufeinander. Klopps BVB muss unbedingt gewinnen, um die hohen Ansprüche zu untermauern. Läuft es richtig schlecht, könnten sich die Schwarz-Gelben am Ende des Spieltages sogar auf Platz vier wiederfinden. Der Einsatz von Reus ist nach wie vor fraglich. Außerdem können wir uns auf ein weiteres Spitzenspiel freuen: Gladbach empfängt mit derzeit extrem breiter Brust Schalke 04. Die Knappen lassen nach dem desaströsen 1:3 im Pokal gegen Hoffenheim die Köpfe hängen. Vorteil für die Fohlen also! Und dann kommen noch die Bayern nach Bremen. Obwohl Teile des Weser-Stadions aus Angst vor dem Hochwasser bereits leer geräumt wurden, kann das Spiel aller Voraussicht nach stattfinden. Ein echtes Spitzenspiel ist der ehemalige Nord-Süd-Kracher aber leider nicht mehr. Der HSV empfängt Augsburg, Hannover tritt in Stuttgart an.

Ein stürmisches Wochenende im fußballerischen Sinn wünscht

Carl-Eduard Meyer